März Raseneisenerz 2026

Das Mettinger Mineralienmuseum präsentiert:

Stein des Monats März: Raseneisenerz

Raseneisenerz, das auch unter den Namen Brauneisenstein,
Sumpfeisenstein, Sumpfrasenerz oder Rasenerz bekannt ist, findet
man direkt unter der Grassode, was für den Stein des Monats
namensgehend war. Es entsteht in Bachtälern,Moorgebieten und an
anderen Stellen, wo der Grundwasserspiegel hoch ist und wo der
Boden schon einen hohen Eisengehalt hat. Wasser nimmt gelöstes
Eisen auf und sobald es an der Oberfläche mit Sauerstoff in Berührung
kommt, oxidiert das Eisen und fällt als Eisenhydroxid aus. Dadurch
bilden sich ca. 10 cm unter der Oberfläche dichte Ablagerungen, die
oftmals bei der Bearbeitung des Ackers zum Vorschein
kommen.Indikator ist rotbrauner Schlamm an Pflanzen oder an
Wasserläufen. Mit der Zeit entsteht eine verfestigte, krustenartige
Masse – das Raseneisenerz. In Gebieten mit viel Raseneisenerz,
liegen am Rand von Äckern und Wiesen als Überbleibsel der
Landwirtschaft manchmal kleine Haufen mit Brocken dieses dunklen,
rostbraunen Erzes.
Raseneisenerz wurde geerntet wie Kartoffeln,also mit Hacken,
Schaufeln und einer Schiebkarre. Der Transport erfolgte im Winter, da
die schweren Lasten nur auf den hart gefrorenen Wegen transportiert
werden konnten und war ein wichtiger Nebenverdienst für die Bauern
Bevor es in die Hochöfen kam, mußte das Erz gewaschen werden. Die
Weiterverarbeitung erfolgte durch sogenannte Erzwäscher mittels
Waschkasten, Waschrahmen und Roste. Um Eisen guter Qualität zu
erhalten, musste zum Raseneisenerz noch Brauneisenstein (Limonit)
hinzugefügt werden.
Raseneisenerz wurde bereits von keltischen, germanischen und später
mittelalterlichen Schmieden genutzt und bildete in Mitteleuropa eine
wichtige lokale Eisenerzquelle. Besonders in Gebieten ohne Zugang
zu hochwertigen Erzen war Raseneisenerz für die Verhüttung sehr
wichtig. Die Verarbeitung des Raseneisenerzes erfolgte in sog.
Rennöfen Darunter versteht man einfache Verhüttungsöfen ohne
Hochofen-Technik.
Das Vorkommen und die Nutzung von Raseneisenstein waren –
ähnlich wie beim Eisenerz – direkt namensgebend für zahlreiche Orte

und Flurnamen, insbesondere mit dem Namensbestandteil -eisen-, in
Deutschland unter anderem für Isernhagen sowie für etliche Orte mit
dem Namensbestandteil -hütten- (von Verhüttung). In vielen Regionen
gibt es alte Abbaugruben oder Flurnamen, die auf diese Nutzung
hinweisen („Eisengrube“, „Eisenschlag“ etc.).
Im 18. Jahrhundert war Raseneisenerz ein bedeutender Rohstoff im
Münsterland, der die lokale Eisenverarbeitung (z.B. Alexishütte in
Wietmarschen, Holter Eisenhütte) begründete.Das Vorkommen des
eisenhaltigen Gesteins ermöglichte eine frühe Roheisenerzeugung
lange vor der Industrialisierung im Ruhrgebiet. Das Erz diente als
Grundlage für die Produktion von gusseisernen Produkten wie
Kaminen, Öfen und Töpfen oder auch Kanonenkugeln.
Auch in den benachbarten Niederlanden gab es Vorkommen von
Raseneisenerz.
Von 1870 bis 1880 wurden dort jährlich 3 Millionen Kilo Eisen aus
Raseneisenerz gewonnen.Nach der Gewinnung bildete sich an der
gleichen Stelle wieder eine neue Schicht Raseneisenerz, die allerdings
zu schwach war, um dem Bedarf zu genügen, was der Verhüttung
Grenzen setzte.
Raseneisenerz ist braun bis gelblich, enthält oft Verunreinigungen wie
Ton, Sand oder anorganisches Material. Der Eisengehalt liegt bei 26 –
48 %. Im Extremfall kann der Prozentanteil aber bis zu 70 % betragen.
Raseneisenerz wurde auch als Baustein benutzt, hauptsächlich bei dem
Bau von Kirchen. Nur die sehr eisenhaltigen Teile des Erzes waren als
Baumaterial geeignet. Weniger eisenhaltiges Raseneisenerz war zu
weich und zu spröde, wodurch es ziemlich schnell verwitterte.
Zusammen mit anderen Bausteinarten wurde das Erz sowohl in den
Fundamenten als in den Mauern benutzt. Auffallend ist, dass
Raseneisenerz fast nur dort als Baustein vorkam, wo es auch
gewonnen wurde. Raseneisenstein wurde wegen seiner rustikalen
Struktur in einigen Kunstbauten des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs
verwendet. Auch der sogenannte „Stein“, eine Miniaturnachbildung
des Vesuvs sowie Brücken und Tunnelsysteme im Park wurden um des
Effektes willen mit Raseneisenstein gebaut. In unserer Region weisen
die evangelisch reformierte Kirche in Lengerich, das Verwaltungshaus
des ehemaligen Damenstifts – Wietmarschen – , die Mauer um den

Freilichtmuseum von Haselünne sowie der Braunschweiger Dom
Raseneisenerz als Baustoff auf.