Das Mineralienmuseum Mettingen präsentiert:
Stein des Monats September: Schwefel

Schwefel steht oft als Symbol für den Teufel, das Böse und die Hölle. Wenn man unser wunderschönes, gelbes Exemplar sieht, vermag man sich dieser Vorstellung kaum anzuschließen. Foto: Karin Brinkmann
Schwefel (Sulfur) ist ein chemisches Element und gehört zu den Nichtmetallen. Der Name Schwefel leitet sich genau wie die lateinische Bezeichnung sulfur von der indogermanischen Wurzel suel- mit der Bedeutung“ langsam verbrennen“ ab, woraus im Germanischen der Begriff „schwelen“ entstand. Das Elementsymbol ist S und die Ordnungszahl im Periodensystem ist 16, was bedeutet, das Schwefel an 16. Stelle bei der Häufigkeit des Vorkommens in der Lithosphäre steht.
Schwefel wird seit langer Zeit von Menschen genutzt. Um 5000 v. Chr. wandten Chinesen und Ägypter Schwefel zum Bleichen von Textilien, als Arzneimittel und zur Desinfektion an. Der Papyrus Ebers ( ca. 1500 v. Chr.) beschreibt die Verwendung von Schwefel zur Behandlung von bakteriellen Entzündungen des Auges.
Chinesen gewannen im dritten Jahrhundert vor Christus Schwefel aus Pyrit. Das vorklassische Griechenland verwendete Schwefel als Arzneimittel und das durch Verbrennung von Schwefel entstehende Schwefeldioxid sowohl als Desinfektionsmittel zur Verhütung von Infektionskrankheiten, wie etwa der Pest, als auch zur Schwefelung von Wein, worüber Homer um 800 v. Chr. in seiner Odyssee berichtet. Schwefeldioxid wird noch heute in der Lebensmittelchemie als Antioxidationsmittel und zur Konservierung verwandt.
Die antike Kriegsführung verwendete Schwefel als Brandwaffe oder Brandbeschleuniger. Nach einer Abhandlung aus der chinesischen Song- Dynastie setzte sich Schwarzpulver damals aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel zusammen. Lange Zeit blieb Schwarzpulver der einzige Spreng- und Explosionsstoff und war damit hoch begehrt.
Schwefel findet sich in der Erdhülle in verschiedenen Formationen, wie z.B. in Salzlagern oder bei vulkanischen Aktivitäten. Schwefel wird entweder als elementarer Schwefel gewonnen, der zu über 90 % weiter zu Schwefelsäure, einer der technisch wichtigsten und meistproduzierten Grundchemikalien verarbeitet wird, oder in Form seines Oxids durch Rösten von sulfidischen Erzen. Elementarer Schwefel wird weltweit gewonnen und gehandelt. 2020 wurden in der gesamten Welt fast 80 Millionen Tonnen Schwefel produziert. Die größten Produktionsländer waren die China, die USA und Russland, gefolgt von Saudi- Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Weltweit sind 1500 Fundorte nachgewiesen worden. Schwefel kommt in der Natur in mächtigen Lagerstätten zum Beispiel in Sizilien, Polen, Irak, Iran, Louisiana, Texas und Mexiko vor. Aber auch bei Mineralproben vom Meeresboden des Golfes von Mexiko, des Mittelatlantischen Rückens und des Ostpazifischen Rückens wurde Schwefel nachgewiesen.
In unserer Region gab es zwischen Tecklenburg und Ibbenbüren bei Brochterbeck das Bad Holthausen. Die dortige Quelle wurde um 1900 entdeckt und verschaffte vor allem Patienten mit Gicht und Rheuma Linderung. 2003 wurde nach mehr als hundertjähriger Geschichte der Betrieb eingestellt.
Nur wenigen Menschen ist bekannt, dass auch Mettingen ein Schwefelbad war. Es befand sich auf dem Gelände der heutigen Draiflessen Collection. 1873 ließ Karl Hermann August Lampe dort ein Haus errichten. Bei den Bauarbeiten stieß man auf eine Schwefelquelle. Daraufhin wurde in den Folgejahren ein Schwefelbad mit 10 Badezellen errichtet und im Garten ein Teich angelegt, der mit Booten befahrbar war. Als sich herausstellte, dass der Schwefelgehalt nicht stark genug war und Schwefel zugeführt werden mußte, ging die Zeit des Schwefelbades Mettingen zu ende. Seit 1949 befand sich auf dem Gelände die Produktion der CANDA.
Last but not least gibt es in unserer Region noch das Schwefelbad Steinbeck. Letztgenanntes ist eines der ältesten Heilbäder Westfalens, wurde 1823 entdeckt und bietet bis heute seinen zahlreichen Gästen 34 Grad warmes Heilwasser zur Heilung oder Besserung ihrer Leiden und vielseitige Möglichkeiten Körper und Seele zu verwöhnen. Schwefelbäder werden bei rheumatischen Erkrankungen, Hautkrankheiten sowie bei Gelenkbeschwerden und Durchblutungsstörungen verordnet.

