Das Mettinger Mineralienmuseum präsentiert:
Stein des Monats Juni: Spinell
Wie der Spinell, ein Edelstein, der übrigens zu den am meisten unterschätzten Schmucksteinen zählt, zu seinem Namen kam, ist unklar. Zwei Erklärungen beanspruchen dafür die Urheberschaft. Entweder stammt der Name Spinell vom lateinischen Wort „spinula“ ( kleiner Dorn) – wegen der achteckigen, dornenartigen Form seiner Kristalle – oder vom griechischen Wort „spinos“ , was mit funkeln oder Funke übersetzt wird und eine Anspielung auf seine strahlenden Rottöne ist.
Der Spinell ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und ist chemisch gesehen ein Magnesium-Aluminum- Oxid.
Er ist ein natürliches Mineral, das in einer Vielzahl von Farben vorkommt, darunter rot, blau, rosa, grün und farblos. Die bunten, leuchtenden Farben entstehen durch den Austausch von Aluminium durch andere Elemente im Kristallgitter.
Er hat eine kubische Kristallstruktur und eine Mohshärte von 8 sowie eine geringe Spaltbarkeit. Daher eignet sich der Spinell ausgezeichnet als Schmuckstein.
Die häufigsten Schliff- Formen von Spinell sind der Kissen- und der Ovalschliff.
Früher wurde er aufgrund seiner Härte als Diamantersatz verwendet.
Schon Marco Polo (1254–1324 n. Chr.). schrieb in seinem Tagebuch über die berühmten Spinell- und Rubinminen von Badachschan, einer Provinz im Norden Afghanistans. Sie waren bis zum 19. Jahrhundert für die Edelsteinwelt von großer Bedeutung.
Im 11. Jahrhundert nutzten Seefahrer mit dem sogenannten Magnetstein, einen speziellen Spinell, um ihre Kompasse zu magnetisieren und ihre Schiffe über die Meere zu navigieren. Ein Spinell stand also Pate beim Beginn der Kartografie, als Seeleute damit begannen, ihre Reisen aufzuzeichnen und die ersten Weltkarten anzufertigen.
Schon 1507 wurde der Spinell als eigenständiger Edelstein anerkannt und 1783 gelang es Wissenschaftlern, ihn vom Rubin zu unterscheiden. Gleichwohl wurden bis ins 18. Jahrhundert hinein alle roten Steine als Spinell bezeichnet, wozu auch Granat, Rubin und sogar Saphir gehören konnten.
Auch die britischen Kronjuwelen waren vor Verwechselungen nicht gefeit.
So sind der 352-karätige „Timur- Rubin“ , der nach seinem Vorbesitzer dem tatarischen Eroberer Tamerlane benannt wurde, und der 170-karätige „Rubin des Schwarzen Prinzen“ , die sich im Tower von London befinden, in Wirklichkeit Spinelle.
Der Rubin des schwarzen Prinzen befand sich auf einem Helm, der mit Edelsteinen besetzt war und den der englische König Henry V. 1415 in der Schlacht von Azincourt gegen das französische Heer unter König Karl VI. trug. Während dieser Schlacht wäre König Henry beinahe vom französischen Befehlshaber mit einem Schlag auf den Kopf getötet worden. Die Wucht des Schlages wurde aber vom „Rubin des Schwarzen Prinzen“, abgewehrt und so das Leben des Königs gerettet. König Henry konnte seine Truppen in dieser Schlacht sogar noch zu einem Sieg führen. Der„Rubin des Schwarzen Prinzen“, trägt seit diesem Tage den Beinamen „Edelstein des Sieges“.
Auch in der russischen Zarenkrone, die Katharina II, die Große anfertigen ließ, befindet sich ein aus China stammender Spinell mit einem Gewicht von 400 Karat.
Mit einem großen Spinell mit fast 500 Karat , dem sog. Samaria Spinell, sind die iranischen Krönungsinsignien geschmückt. Erzählungen nach trug bereits das goldene Kalb der Israeliten diesen Spinell um den Hals, weshalb er ein Loch aufweist, das später mit einem Diamanten verschlossen wurde.
Ansonsten wird der Spinell aber auch mit Alchimisten und Zauberern in Verbindung gebracht. Einigen Meistern der „Dunklen Künste“ wird nachgesagt, dass sie den Spinell nutzten, um Dämonen zu beschwören oder sich mit ihm in Form von Amuletten gegen Feuer zu schützen. Eine andere Sage erzählt allerdings auch davon, dass der Edelstein jemanden als Praktizierenden der „Schwarzen Magie“ enttarnen konnte.
Die zwei bislang größten Spinelle befinden sich im British Museum in London und wiegen jeweils 520 Karat.
Der Spinell bildet sich im magmatischen Gestein. Er kristallisiert im kubischen System und kann perfekte Oktaeder ausbilden. Auch Würfel und Zwillingsbildung sind relativ häufig. Abgebaut wird er heute in den USA, Myanmar, Madagaskar, Sri Lanka, Tadschikistan, Tansania, Vietnam und Sibirien.
Künstliche Spinelle werden industriell für gasdichte und feuerfeste technische Keramiken verwendet. Man findet sie aber auch als Schmucksteine.Die Identifizierung ist einfach.Der natürliche Edelstein enthält Eisen und wird daher von einem Magneten angezogen. Nur helle oder orangefarbene Stücke mit Spuren von Chrom stoßen den Magneten ab.
Esotheriker sagen dem Spinell nach, er sei ein beruhigender Stein und eigene sich hervorragend zum Streßabbau. Er vermittle eine positive Grundstimmung und sorge dafür, dass.Ziele nicht aus den Augen verloren werden, sondern man mit Zuversicht beharrlich auf sie zu geht. Depressionen und Ängste sollen gelöst werden.
Körperlich soll der Spinell bei Entzündungen helfen, krampflösend sein und sich positiv auf die Verdauung auswirken. Ferner soll er auch die Muskeln stärken. Nachgesagt wird ihm auch, dass er einerseits aktiviere und belebe und zugleich die Nervenfunktionen beruhige.
In der Literatur findet sich Spinell bei Thomas Mann in der Erzählung Tristan als Name des Gegenspielers der Hauptfigur.


