Stein des Monats Platin Mai 2026

Das Mettinger Mineralienmuseum präsentiert: Stein des Monats Mai: Platin

Platin verdankt seinen Namen der grau- weissen Farbe, die an Silber erinnert. Der Name Platin leitet sich vom spanischen „Platina“ ab, einer Verkleinerungsform von „ plata“ = Silber. Platin kann wie Gold als Nugget, in Plättchen oder Kügelchen vorkommen. Häufig findet man es aber auch zusammen mit Eisen, Nickel und anderen Metallen. Platin ist ein natürliches weißes Edelmetall, was es für die Schmuckindustrie besonders begehrenswert macht. Es hat eine sehr hohe Dichte und ist 40 bis 60 % schwerer als Gold bei gleichem Volumen. Der Schmelzpunkt bei Platin liegt bei 1768 Grad Celsius, während Gold bereits bei 1064 Grad Celsius schmilzt. Platin ist besonders langlebig, und widersteht problemlos äußeren Einflüssen wie Chemikalien oder Säuren. Außerdem ist es abriebfest und nutzt sich im Gebrauch kaum ab.
Obwohl Platin seit Jahrhunderten bekannt war, blieb es unbenannt bis um das Jahr 1500 spanische Konquistadoren es in Kolumbien bei der Goldsuche entdeckten.
Im alten Ägypten verwandte man Platin zusammen mit Gold zunächst zur Verzierung der Sarkopharge. Bereits um 3000 vor Chr. wurde Platin auch für die Schmuckherstellung eingesetzt. Altägyptischen Schmuck, der 1895 entdeckt wurde, enthielt bereits kleine Mengen von Platin und belegt dies eindrucksvoll. Auch die Inkas kannten Platin und stellten ebenfalls Schmuckstücke daraus her.
Der Siegeszug von Platin begann deutlich später, als der von Gold und Silber. Erst mit der Eroberung von Amerika durch Christoph Kolumbus, Ende des 15. Jahrhunderts, wurde Platin deutlich bekannter. Damals bewertete man, die beim Goldwaschen gefundenen hellgrauen Platinkörnchen, abwertend als unreifes Gold und warf sie sogar zurück in die Flüsse. Da die Platinkörnchen aufgrund des hohen Schmerzpunktes nur schwer zu verarbeiten sind und das Gold „verunreinigen“, wurde das Material nicht gerade sehr hoch geschätzt. Sein Wert ist darum gering. Später verwandte man Platin wegen des vergleichbaren Gewichts zur Fälschung von Gold. Die spanische Regierung erließ, um Fälschungen und Schmuggel zu verhindern, sogar ein Exportverbot, und erwog sämtliches bis dato erhaltenes Platin im Meer zu versenken.
Um 1780 verfügte Ludwig XVI., König von Frankreich, dass nur der König Platin besitzen dürfe. Sein Hofgoldschmied schuf ihm unter anderem ein komplettes Service mit kobaltblauem Email. Um nicht hinter seinem französischen Konkurrenten zurückzustehen, beauftragte Karl III. von Spanien, 1788 den Juwelier Francisco Alonso, einen prunkvollen Platinkelch zu fertigen. Der 30 Zentimeter hohe und zwei Kilogramm schwere Kelch wurde Papst Pius VI. überreicht. 1795 führte Frankreich als erstes Land der Welt das metrische System für Maße und Gewichte ein. Das Urkilogramm wurde aus Platin hergestellt, da Platin langlebig ist, sich nicht abnutzt und verändert. Das Original dieses Platinzylinders befindet sich noch heute im Bureau International des Poids et Mesures (BIPM), nahe Paris.
Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckte man umfangreiche Platinlagerstätten in Russland. Ab 1828 wurde unter Zar Nikolaus I der Platinrubel geprägt, die einzige Umlaufmünze aus Platin, die regulär von einem Staat herausgegeben wurde. Der niedrige Platinpreis am Markt und die Verwechslungsmöglichkeit mit Silber, machten den Platinrubel aber unbeliebt, so dass die Prägung 1845 wieder eingestellt wurde. 1884 fertigte Peter Carl Fabergé, der Juwelier des russischen Zaren Alexander III., ein Prunk-Ei mit Platinapplikationen an, was Platin zum begehrten „Must have“ machte. Während der Belle Epoque, Ende des 19. Jahrhunderts, schmückten sich Kaiser, Könige, Zaren und Maharadschas mit Platin. Spaniens König, Karl IV., gab für seine Sommerresidenz, dem Palacido Real in Aranjuez sogar ein ‚Chambre en platine‘ in Auftrag. Es wurde unter Verwendung edler Hölzer mit Platineinlagen angefertigt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertigte Louis Cartier erstmals Schmuck vollständig aus Platin, um die Brillanz der Diamanten zu unterstreichen. Der Platinpreis überstieg seinerzeit den von Gold um das Achtfache. 1912 kommt Weißgold als Platinersatz für Schmuckstücke auf den Markt.
Im selben Jahr sinkt die Titanic und in Folge dessen trauert auch New Yorks High Society. Schwarz-Weiß ist angesagt und Platin als weißes Metall wird als Trauerschmuck verwandt. Als der Tonfilm erfunden wird, präsentieren sich Hollywoodstars wie Jean Harlow, Marlene Dietrich und Mae West als Trägerinnen von Platinschmuck und als Frank Capra 1931 den Film Platinum Blonde (vor Blondinen wird gewarnt) drehte, hatte Platin auch Hollywood erobert.
Zur Krönung von König Georg VI. trug dessen Gattin Elizabeth Bowes-Lyon
, die Mutter von Königin Elisabeth II.. 1937 eine elegante Krone aus Platin, mit dem Koh-I-Noor-Diamanten. Auch Edward, der Duke von Windsor, verwöhnte seine Frau Wallis Simpson mit Platinschmuck von Cartier. Diese äußerte daraufhin öffentlich, dass Platinschmuck der einzige wirklich geeignete Schmuck für Abendempfänge sei. Die Herzogin erhielt für ihre Sammlung u.a. die Brosche „Panthère de Cartier“ mit blauen Saphiren und Diamanten, heute ein vielkopierter Schmuckklassiker.
Während des Zweiten Weltkriegs war Platin wegen seiner Bedeutung für die Stickoxidsynthese und damit der Sprengstoffproduktion beiderseits des Atlantiks kriegswichtiger Rohstoff, und die Herstellung von Platinschmuck deshalb verboten.
Durch die zunehmende Weiterentwicklung in den Bereichen Industrie und Technik, erkannte man die vielen Verwendungsmöglichkeiten von Platin. Da Platin mit seiner gute Verformbarkeit, Langlebigkeit sowie hoher Korrosionsbeständigkeit äußerst günstige Eigenschaften aufweist, wird es in der Industrie bevorzugt eingesetzt. 50 % des geförderten Platins wird für Fahrzeugkatalysatoren benötigt. Im medizinischen Bereich kommt es bei Laborgeräten, Herzschrittmachern, Zahnimplantaten aber auch für Beschichtungen für Biomaterialien und in der Krebstherapie zum Einsatz. Auch in der Luft- und Raumfahrttechnik wird Platin verwandt und natürlich ist auch die Schmuckbranche weiter an Platin interessiert. In Südafrika entdeckte man neue Platinvorkommen und das Land entwickelte sich zum größten Platinlieferanten der Welt, dicht gefolgt von Russland und Kanada.

Heute ist die Exklusivität von Platin auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Neben Eheringen aus Platin und Platin als Geldanlage, gibt es die Platin- Schallplatte für den Verkauf von 1 Million Alben durch einen Künstler und auch eine ähnliche Trophäe in der Welt der Videospiele. Vom ungeliebten weißen Körnchen zum wichtigen Katalysator – die Geschichte von Platin ist sicher noch lange nicht beendet.