
Island-Spat auch als Doppelspat, optischer Calcit oder Sonnenstein des Wikinger bekannt, ist chemisch gesehen Calciumcarbonat und gehört zur Mineralklasse der „ Carbonate und Nitrate“. Mit einer Mohshärte von 3 zählt er zu den weicheren Steinen. Besonders begehrt waren seit alters her die durchsichtigen Calcitkristalle. Die Bezeichnung Doppelspat entstand aufgrund seiner besonderen optischen Eigenschaften. Es geht dabei um die sogenannte Doppelbrechung für die besonders isländische Calcitkristalle seit dem 17. Jahrhundert berühmt waren. In der Spatmine Helgustadir, an der Ostküste wurde der Spat von 1668 bis 1925 gefördert Der Doppelspat aus Island wurde im 19. Jahrhundert vor allem zum Bau von optischen Geräten genutzt.
Der Doppelspat bricht einen Lichtstrahl in zwei voneinander abweichende Strahlen, so daß eine doppelte Kontur des beobachteten Gegenstandes entsteht. Legt man einen Doppelspat auf eine Abbildung in einem Buch, dann erscheinen Linien des Bildes doppelt. Diesen Effekt bezeichnet man als Doppelbrechung.
Möglicherweise nutzten bereits die Wikingern bei ihren Fahrten Doppelspat als Navigationshilfe. Ein funktionierender „Sonnenstein“ auf drehbarer Scheibe ist in Roskilde bei Kopenhagen im Wikingerschiffsmuseum ausgestellt. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert legten sie weite Strecken von Skandinavien bis nach Nordamerika zurück. Einen Kompass gab es damals noch nicht. Ihre Expeditionen hingen von ihrer Fähigkeit ab, die Zeichen der Natur wie Sonne, Sterne und Wellen zu deuten, doch bei bedecktem Himmel waren ihre Ressourcen begrenzt. Der Sonnenstein soll sie in der Lage versetzt haben, die Position der Sonne auch bei bewölktem Himmel zu bestimmen, indem sie die Veränderungen der Polarisation des Lichts nutzten. Durch die Lichtbrechung mit einem doppelbrechenden Kristall wird der einfallende Lichtstrahl in zwei Lichtbündel mit unterschiedlicher Stärke aufgespalten. Durch Drehen und Wenden kann der Stein so ausgerichtet werden, dass die beiden Lichtbündel gleich stark sind. Die Blickrichtung zeigt dann genau in Richtung der Lichtquelle, also der Sonne. Wenn er richtig zur Sonne ausgerichtet ist, überlagern sich die Strahlen und bilden ein klares Bild des Himmelskörpers, selbst an bewölkten Tagen. Forscher stellten in einem Experiment fest, dass dies sowohl bei Bewölkung und als auch bis zu 40 Minuten nach Sonnenuntergang zuverlässig funktioniert. Im Wrack eines 1592 gesunkenen elisabetanischen Kriegsschiffs vor der Kanalinsel Alderney wurde ein Sonnenstein gefunden. Heute geht man davon aus, dass der Sonnenstein das empirische Wissen der Seeleute nicht ersetzt, sondern ergänzt hat und es ihnen so ermöglichte, effizienter zu navigieren, wenn der Himmel helle Öffnungen bot.


















